Samstag, 24. März 2012

Normalerweise stelle ich hier die Diagnosen II

In meinem Post "Normalerweise stelle ich hier die Diagnosen" habe ich schon mal über mein besonderes Verhältnis zu Ärzten und Therapeuten berichtet. Zusammenfassend kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich nicht zu den "eingebildet Kranken" gehöre, sondern zu den gebildeten. Und die sind manchmal auch anstrengender ;) - für Ärzte und Therapeuten, die das nicht gewöhnt sind.

Keine Sorge: mit den meisten Ärzten, Therapeutinnen und Assistenten arbeite ich schon lange zusammen, weil es eben immer ein gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe ist und meine Gesprächspartner keine Götter sind und schon gar nicht in weiß.

Und wenn mal ein Wechsel stattfindet, dann gestaltet der sich ungefähr so: Ich erstelle für jeden neuen Arzt oder Therapeuten, mit dem ich zusammen arbeite, eine Zusammenfassung meiner Anamnese und eine  Zusammenfassung der Symptome und Beschwerden. Das gleiche mache ich vor Krankenhausaufenthalten und Operationen, damit, wenn mich der Stationsarzt bei der Aufnahme fragt: "Waren Sie schon mal im Krankenhaus?", ich sagen kann: "Vielleicht wollen Sie erst mal lesen?" ;)

Gestern war es wieder so weit: meine Physiotherapeutin hat sich in den Mutterschutz verabschiedet und eine neue hat angefangen und die war nicht irritiert oder erstaunt, sondern bedankte sich für meine Anamnese und die schriftliche Zusammenfassung meiner Symptome. Na dann, auf gute Zusammenarbeit!

Und noch einen Vorteil hat so eine Liste: in schwierigen Zeiten zeigt sie mir, wie viel ich jeden Tag leiste.

Wer 28 Operationen hinter sich hat und ca. 60 Krankenhausaufenthalte, Abi, Studium, sich 10 Arbeitsplätze selbst gesucht oder geschaffen hat und sich seit Jahrzehnten noch ehrenamtlich engagiert - den haut so schnell nichts um!

Gut, dass ich mir das mal wieder gesagt habe.


Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende...

Demokrit

griech. Naturphilosoph, 460 - 370 v.Chr.

Mittwoch, 21. März 2012

Einfache Lösungen, eisige Show, einparkhelfende Wasserwerker

Nachdem ich schon mal über den Dialog mit einem Sicherheitsbeamten über meinen Begleiter bei einer Show berichtet habe, war ich am letzten Wochenende wieder bei Holiday on Ice und - siehe da - keine Diskussionen über die Lauffähigkeit meines Begleiters und mögliche Gefahrenquellen im Brandfall - ich konnte die Show einfach nur genießen! Mit amerikanischen Shows ist das ja - so finde ich - so eine Sache: viel Show und.... (von Copperfield war ich z. B. enttäuscht).

Aber diesmal war es anders: Eine Show - "Festival" - aus Feuer und Eis, Artistik in der Luft, Klamauk, Varieté, unglaublich viele Schlittschuhläufer, die sich präzise und irrsinnig schnell bewegen und dann waren da noch die Stars mit Hebungen und Sprüngen, die mehr waren als nur Show - richtig klasse! Und falls der Scheinwerfer runter fällt, nur keine Aufregung... alles nur Show.

Ein kleines Mädchen, das mit seiner Familie zusammen da war, konnte etwas erhöht sitzen und so alles mit bekommen, die Jacken packten wir gemeinsam auf einen freien Sitz. Es geht vieles, wenn man miteinander spricht.


An  meinen Erfahrungen als mobilitätseingeschränkter Mensch mit Winterdiensten, Nachbarn und der Polizei habe ich Sie auch schon teilhaben lassen. Und beim Friseur und im Fitnessstudio waren Sie auch schon mit mir.

Im Moment haben die Wasserbetriebe (schwieriges Thema in Berlin) vor dem Haus zu tun. Und der Hahn, an dem gearbeitet werden muss, befindet sich genau an meinem Parkplatz. Ich kann aber nicht tagelang woanders parken. Also hilft ein kleiner Zettel mit meiner Handynummer an meinem Auto mit der Bitte um Rückruf. Am nächsten Morgen waren der Handwerker und ich verabredet: ich fuhr mein Auto für 3 Stunden, in denen der Platz unbedingt gebraucht wurde, weg, der Handwerker half mir noch bei der Ersatzparkplatzsuche und beim Einparken :-)


Und wenn mein Blog das Eine nur weitergeben kann, nämlich, dass das Zusammenleben, egal, ob wir es inklusiv, integrativ oder gemeinsam nennen, für alle angenehmer und vielfältiger und leichter wird - wenn wir mehr miteinander reden und uns dafür interessieren, was der andere wirklich braucht und gemeinsam manchmal ganz einfache Lösungen finden,
dann ist dieses Blog wichtig und wir lesen uns in ein paar Tagen wieder!

Dienstag, 13. März 2012

Ziemlich beste Freunde, Fußgelenke und Frauentag



Heute beginne ich mit einem Kino- und wahrscheinlich bald DVD-Tipp: "Ziemlich beste Freunde"

Leider habe ich ihn erst am vergangenen Sonntag sehen können. Ein Film nach einer wahren Begebenheit über zwei wirklich ungleiche Menschen: Ein reicher, verwitweter Kunstliebhaber, der beim Paragliding gestürzt und nun vom Hals ab querschnittgelähmt ist und ein arbeitsloser, dunkelhäutiger Mann mit krimineller Vergangenheit lernen sich bei einem Bewerbungsgespräch kennen. Der Rollstuhlfahrer braucht einen Assistenten, der Arbeitslose eine Unterschrift (für die Arbeitslosenunterstützung)...

Was sich daraus entwickelt ist so witzig, geistreich, berührend, humorvoll und voller Lebensfreude!
Und auch gut gespielt und recherchiert - unbedingt ansehen!

Vor kurzem gab es mal im deutschen Fernsehen einen Film, in dem es um querschnittgelähmte Anwältin ging. Und sie trug Absatzschuhe.
Das war ein Fehler, denn eine querschnittgelähmte Frau hat instabile Fußgelenke und die würden in Pumps umknicken. Nun können Sie auch einen meiner Wünsche verstehen, dessen Erfüllung wohl noch warten muss: einmal im Leben hochhackige Pumps zu tragen.


Zum Schluss meines Posts erzähle ich Ihnen noch von meinem diesjährigen Internationalen Frauentag: Auf einer Tagung in der vorletzten Woche hat mich eine ganz herzliche türkische Frau angesprochen, die auch im sozialen Bereich tätig ist. Sie hielt mir einen Briefumschlag entgegen, in dem sie mich persönlich zum Internatiolen Frauentag ins türkische Haus einlud.

Ich nahm diese Einladung an, obwohl ich nicht ahnte, was mich da erwarten würde: Interessante Vorträge von einem Archäologen, der in Anatolien arbeitet über Frauenbilder in den einzelnen Kulturen, von einer islamischen ReligionsprofessorIN über die Geschlechter in den Religionen und von einem Bürgermeister aus einer Stadt, in der in einem Frauenprojekt eine Frau im Durchschnitt 8 (!) Kinder hat. Anregende, kritische Diskussionen, dazu Essen, Getränke und Musik.

Und am Schluss wurde eine Auszeichnung für soziales Engagement vergeben - an einen deutschen Mann. ;)
Berlin, Frauentag 2012 eben.



Freitag, 2. März 2012

Parkplatz, Piratenbraut, Marathon und fliegende Hände - Parking space and Pirat

An manchen Tagen geht irgendwie alles schief. Nachdem ich diese Woche schon einmal mitsamt Brille gestürzt bin, bewegen sich die Blutergüsse so langsam von der Stirn über die Augen in Richtung Wangen. Dabei verfärben sie sich natürlich, ich spare den Lidschatten und irgendwie kann ich mir im Moment auch gerade die Augenklappe sparen - ich sehe auch so aus wie eine Piratenbraut, weil das rechte Auge nur schwer aufgeht.


Gestern Abend komme ich nach Hause und mein Parkplatz ist wieder mal besetzt. Hupen, Warnblinker, Polizei - manchmal nervt es einfach nur.

Heute morgen - frisch gestylt mit Concealer und lila Lippenstift - damit er zu meiner derzeitigen Augenfarbe passt - arbeitet ein Handwerker an der Bordsteinabsenkung, ein paar Platten sollen ersetzt werden und sind nur mit Sand gefüllt. Prompt bleibe ich mit den kleinen Vorderrädern  im Sand stecken und mache einen Satz nach vorne - ohne Rollstuhl. Nachbar und Handwerker helfen mir auf die Räder, man verspricht, die fehlenden Platten zu ersetzen und los geht's zur Arbeit.

Dort gibt es für meine Arbeitszeit auch einen reservierten Parkplatz neben einer Absenkung. Und natürlich ist er auch besetzt, so wie gestern auch schon - so eine Absenkung ist wirklich praktisch, um  Umzugsmöbel drauf zu platzieren.

Wie gesagt, es gibt Tage, da läuft nix. Der Parkplatz wird geräumt und gerade als ich endlich vor meinem Büro aussteigen will, sehe ich einen Wagen rückwärts auf mich zukommen. Und ich denke noch: "Jetzt ist meine Geduld aber wirklich zu Ende, der kann sich jetzt aber frisch machen....!!!", da hält ein freundlicher, türkischer Autofahrer neben mir, lässt die Seitenscheibe hinunter und fragt lächelnd und interessiert: "Brauchen Sie Hilfe beim Aussteigen?"

Mein Tag war gerettet! Danke an den hilfsbereiten Mitmenschen!

Jetzt werde ich mich noch für einen Gebärdensprachkurs anmelden, denn ich habe diese Woche bei meinem wirklich interessanten Tagungsmarathon Martin Zierold kennengelernt, den ersten tauben Abgeordneten Deutschlands und wir beide arbeiten im selben Beirat. Unglaublich, wie schnell seine Hände fliegen, wenn er spricht!


Berlin Mitte BVV Wahl 2011: Martin Zierold (Die Grüne) from spectrum11 Gebärdensprache on Vimeo.

Berlin wird bunter und lebendiger - und das ist auch gut so...

P.S. Raten Sie doch mal, für wen das die Gebärde ist ;)