Sonntag, 17. August 2014

Symbole und Worte

Heute hat mir eine Bekannte einen Link zu einem Blogtext in "Stufenlos" geschickt. "Stufenlos" ist ein Blog in der "Zeit", in dem Christiane Link zu Barrierefreiheit und Inklusion bloggt. Lesenswert!

In dem Blogtext geht es darum, dass der Staat New York ein neues Piktogramm für Menschen im Rollstuhl herausgegeben hat:

Ein dynamischeres, aktiveres Symbol für Menschen mit Behinderung. Gut so.

Klar, ein Piktogramm ist nur ein Bild, aber sie prägen unser Denken über Menschen mit Behinderung. Und weil ich grad im Internet unterwegs war, warf ich mal einen Blick nach Schweden. Nach Schweden deshalb, weil es z. B. schon seit 20 Jahren ein einkommensunabhängiges Assistenzgesetz hat, das auch Menschen mit hohem Assistenzbedarf ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen 4 Wänden zusichert.

In Schweden sieht die Website, auf der es um die Politik und Rechte behinderter Menschen geht, so aus:


Ein aktiver, kajakfahrender Rollstuhlfahrer und es geht um Kraft, Einfluss, Demokratie und Menschenrechte.

Die deutsche Seite, auf der es um die Politik und Rechte behinderter Menschen geht, sieht so aus:


Ein Kind/ junges Mädchen mit Down-Syndrom, das sich an ihren Vater/Großvater/Betreuer? schmiegt. Im Text heißt es:
"Menschen mit Behinderungen wollen genauso leben wie nichtbehinderte Menschen auch. Sie möchten mobil sein und ihren Alltag ohne fremde Hilfe meistern können. Und sie haben ein Recht darauf. Denn niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden - so steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland."

Wenn Sie den Terminus "Menschen mit Behinderungen" mal durch eine andere Bevölkerungsgruppe wie Frauen oder Senioren ersetzen - wie klänge das für Sie? Oder wie sähe eine Website aus, in der es um Politik für eine bestimmte Zielgruppe geht, mit einem Foto wie diesem?

Also für mich nicht nach Menschenrechten, die jedem Menschen gleichberechtigt zustehen.

Also ist mein Vorschlag für meine Leserinnen und Leser:

Suchen Sie doch mal in der kommenden Woche nach guten Symbolen und Worten für Stärke, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Menschenrechte!

Sonntag, 3. August 2014

Neues Kapitel

zerschnittener Mitgliedsausweis
Ein Kapitel geht zu Ende.

Ich werde keine schmutzige Wäsche waschen und auch keine Diskussionen führen.

Vor allem will ich danken – allen, die mich auf dem politischen Parkett unterstützt und gefördert haben und natürlich für die Chance einer Bundestagskandidatur! Wer weiß, wann ich noch mal die Chance haben werde, mit Eva Högl, Renate Kynast und Gregor Gysi über die Teilhabe (ich würde es eher Partizipation nennen) behinderter Menschen zu diskutieren. Dabei war die Zusammenarbeit mit den vier der ersten fünf der Berliner Landesliste immer konstruktiv und unterstützend – danke euch!

Und ich danke allen Piratinnen und Piraten, mit denen ich konstruktiv, streitbar, praktisch, inklusiv und unterstützend zusammen arbeiten durfte: in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern (ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen…). Ich freue mich außerdem, die erste Inklusionsbeauftragte der Piratenpartei Deutschland, aber auch Beirätin der Piratenfraktion Berlin-Mitte gewesen zu sein.

Für mich waren und sind echte, gewollte Inklusion und die Rechte behinderter Menschen (nicht nur deren Belange) wichtige Anliegen – egal, ob mit oder ohne Mitgliedsausweis. Ich will und werde mich weiterhin ganz praktisch und auch politisch mit diesen Themen beschäftigen und im besten inklusiven Sinne parteienübergreifend.

In keiner Partei sind die Rechte behinderter Menschen, echte Inklusion und Barrierefreiheit Kernthemen (egal, wieviel „sozial“ sie im Namen hat). Deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen mit und ohne Behinderung, die diese Themen kompetent und authentisch vertreten, in allen Parlamenten und Verwaltungen vertreten sind. (In Stadtplanungsbüros, Verkehrsunternehmen, Schulen, Kindergärten, Berufsschulen, Universitäten, in Bürogebäuden, Arbeitsstätten, Beratungsstellen, in kulturellen oder medizinischen Einrichtungen und Medienunternehmen übrigens auch.)

Deshalb werde ich jetzt ganz in Ruhe entscheiden, an welcher Stelle und mit welchen Menschen zusammen ich mich einbringen werde – ganz nach dem Motto eines anderen Rollstuhlfahrers:

Im Leben gibt es etwas Schlimmeres als keinen Erfolg zu haben: Das ist, nichts unternommen zu haben.“
Franklin D. Roosevelt