Freitag, 25. Oktober 2013

Was haben Mülltonnen, die Kunsthochschule Weißensee und Barrierefreiheit gemeinsam?



In dieser Woche war ich zu einem der Seniorenforen eingeladen, die überall in Berlin stattfanden und ich habe die Einladung nach Spandau gern angenommen.


Dort wurde ein gemeinsames Projekt der Berliner Stadtreinigung (BSR) und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee vorgestellt: das Ideenlabor. In diesem Ideenlabor befassen sich Studierende und Stadtreinigungsbetriebe auch mit der Frage, wie sie Produkte entwerfen und herstellen können, die besser an die Bedürfnisse ihrer Kunden angepasst sind.

Design for All - das ist ein Denkansatz, um Umgebungen und Produkte so zu gestalten, dass sie von möglichst vielen und unterschiedlichen Menschen genutzt werden können. Es geht also nicht mehr nur um Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer, Blinde, Gehörlose usw., deren zusätzliche Umsetzung Kosten verursacht, sondern um Produkte, die von Anfang an so konzipiert werden, dass sie alle einfach nutzen können.

Wie ist das nun also mit der Mülltonne? Sie ist hoch und geht schwer auf und zum Müll-rein-Werfen fehlt meinstens der "dritte Arm", wenn man den zweiten noch zum Festhalten an einer Gehhilfe braucht. Außerdem stehen Mülltonnen oft kreuz und quer rum, sodass blinde Menschen sich schlecht orientieren können und kleine Menschen und / oder Rollstuhlfahrer kaum rankommen.

Was wäre nun Ideen zur Lösung?

  • Man könnte Mülltonnen anschrägen, sodass sie sich etwas in Richtung der Kunden, die Müll entsorgen wollen, neigen. Damit wären sie zugleich auch niedriger. 
  • Man könnte sie auch in eine fest angebrachte Halterung einhängen, damit sie schräg hängen. Das hätte auch den Vorteil, dass die Mülltonne immer an der gleichen Stelle stehen würde.
  • Wenn man das Hochheben des Deckels in ein Wegschieben des Deckels umwandeln würde, wäre das für kleinere Personen einfacher.
  • Wenn man den Griff zum Anheben des Deckels mit speziellen taktilen Profilen bei unterschiedlichen Tonnen versehen würde, könnten auch blinde Menschen die unterschiedlichen Wertstofftonnen unterscheiden.
  • Oder man lässt den Deckel öffnen, so ähnlich wie mit der Zentralverriegelung beim Auto.
Diese und andere Ideen wurden an diesem Nachmittag vorgestellt oder auch von den Zuhörerinnen und Zuhörern neu eingebracht. Auch gute Kooperationen bringen mehr Barrierefreiheit und Komfort für alle!

Zum Schluss blieb noch die "Müllschluckerfrage": Wie können mobilitätseingeschränkte Mieterinnen und Mieter in Hochhäusern weiterhin barrierearm und umweltfreundlich Müll entsorgen? Bzw. wie müssten die jetzt vorhandenen Müllschlucker umgebaut werden, um ökologisch sinnvoll und barrierefrei zu entsorgen? Und welche Ausnahmeregelungen gibt es für die neue Regelung ab 2014, wenn die Müllschlucker abgeschafft sein sollen?

Mit diesen Fragen schicke ich Sie ins Wochenende, liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht machen Sie ja auch was Schönes, ins Theater gehen z. B. Dazu sagte Hansgünther Heyme, ein Intendant, übrigens mal:
Der Staat muss die Kultur auch in der Zukunft fördern, genauso wie er die Müllabfuhr finanziert; das Theater ist die Müllabfuhr für die Seele.

Freitag, 18. Oktober 2013

Damit wir in Kontakt bleiben

Die Bundestagswahlen sind vorbei und ich habe meine ehrenamtlichen Tätigkeiten wieder auf ein Normal-Maß gestutzt.

Und für alle, die dieses Blog zum ersten Mal lesen: ich bin immer noch auf Arbeitssuche, weil es ja leider mit einem Arbeitsplatz im Deutschen Bundestag nicht geklappt hat.

Auch in diesem Herbst war ich beim Weltmädchentag im Rathaus Berlin-Mitte dabei, diesmal als Politikerin. Und das fühlt sich doch ein bisschen anders an.

"Ah, Sie sind Frau Pohl, die Expertin für inklusive Bildung!", begrüßte mich die Organisatorin.

"Tatsächlich?!"
"Steht im Internet!"

Dieses Mal war unter den Mädchen und jungen Frauen auch eine Jugendliche im Rollstuhl. Wahrscheinlich wusste das im Rathaus vorher niemand, denn auf dem Weg zum Auftritt der Mädchenband, der sie angehörte, waren zwei Stufen zu überwinden. Nun ist es so, dass der Beirat von und für Menschen mit Behinderung Berlin-Mitte, dem ich angehöre, dafür gesorgt hat, dass das Bezirksamt eine mobile Rampe hat - im Keller, durch den Hausmeister verschlossen. Und der Hausmeister kann nur durch den Stadtrat für Facility Management (zu deutsch: Gebäudeverwaltung) angewiesen werden, die Rampe aufzubauen. Und der war nicht da.

Also musste das Mädchen getragen werden. Und das ist eben keine Selbstbestimmung. Mir stellt sich dann immer die Frage: wozu gibt es Hilfsmittel, wenn diese verschlossen sind oder erst durch Dritte aufgebaut werden müssen?

Ansonsten war der Weltmädchentag eine runde Sache: Ehrung für Malala, Diskussion um Ganztagsschulen, Ermutigung zum Lernen, Selbstvertrauen, Inklusion, Hausaufgaben, Jugendeinrichtungen, Vorbilder, Video, Rap und ne Choreografie - alles von und mit Mädchen!

Zum Schluss wurde ich noch um ein Autogramm gebeten (auch eine neue Erfahrung) - die Mädels machten da keinen Unterschied zwischen Rapperin und (Freizeit-)Politikerin ;-)



Gestern nun war ich wieder im Bezirksamt, diesmal bei der Straßenverkehrsbehörde. Ich bekomme jetzt endlich ein neues Parkplatzschild

Dabei ergab sich folgende Unterhaltung:

"Mein Schwerbehindertenausweis ist ja nun entfristet worden. Ist das auch für die Sonderparkgenehmigung möglich?"
"Nein, die gilt immer nur 5 Jahre."
"Warum?"
"Damit wir in Kontakt bleiben."

In diesem Sinne - liebe Leserinnen und Leser - bleiben wir in Kontakt!