Mittwoch, 28. November 2012

Bilderrätsel - Picture Puzzle

Hier wieder ein Bilderrätsel aus einem angeblich rollstuhlgerechten Badezimmer im Hotel:




Was davon ist zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht? ;)

Das Hotel bekommt trotzdem einen Pluspunkt, weil es meine Kritikpunkte professionell und interessiert aufgenommen hat.

3. Dezember - da war doch was?


Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch, was am 03.12. für ein Internationaler Tag ist?
Es ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung und wird in diesem  Jahr bereits zum 19. Mal begangen. Viel wird darüber nicht berichtet, auch nicht auf der Seite des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Im letzten Jahr fand zu diesem Zeitpunkt der Parteitag der Piraten statt und die meisten Nachrichtensender waren damit beschäftigt, darüber zu berichten.

Auch die diesjährige Berichterstattung war umfänglich, es fehlte jedoch, dass z. B. unter den 2000 Piraten 6 Menschen im Rollstuhl und auch blinde Menschen waren, die an Politik teilhatten. Oder dass es Gebärdensprachdolmetscher gab, die die politische Teilhabe gehörloser Menschen möglich machten.

Stattdessen konnte man Bilder von Menschen mit türkisfarbenen Haaren und in Netzstrümpfen sehen.

Mich ärgert das, weil es wieder eine verpasste Chance ist, sich der Inklusion als Stärke bewusst zu werden.

Sicherlich haben Sie auch alle von der Brandkatastrophe in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) in Baden-Württemberg gehört und gelesen.

Bei aller Trauer und allem Gedenken an die Opfer und deren Angehörige ist mir ein Gedanke wichtig: Natürlich ist es nahezu unmöglich, 120 Menschen mit Behinderung gleichzeitig zu retten. 

Für uns sollte die Katastrophe  Anlass sein, für mehr Inklusion im Erwerbsleben, auf dem Arbeitsmarkt einzutreten. Denn in einem personell gemischten Team ist es viel leichter, einige Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten zu evakuieren als 120 auf einmal.



Vielleicht hat auch der Eine oder die Andere von Ihnen noch die Veranstaltung im Bundestag im Jahre 2011 im Gedächtnis, die sich mit der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen befassen sollte. Damals stellte man - "völlig überraschend"- fest, dass sich unter den angemeldeten Gästen auch ca. 100 Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen befanden. Die Veranstaltung wurde abgesagt - aus Brandschutzgründen.

Liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie uns nicht nach höheren Brandschutzauflagen für die WfbM als einzige Lösung rufen, sondern erteilen wir der Exklusion eine Absage, jede und jeder in seinem Arbeitsbereich! Auch aus Brandschutzgründen.


P.S. Liebe Fernsehsender und Printmedien: die Behindertenwerkstätten heißen übrigens Werkstätten für behinderte Menschen (nicht einmal die  ARD weiß das, offensichtlich).

Mittwoch, 21. November 2012

Schlüsselfrage oder Nachts im Bezirksamt

In meinem Post "Der Schlüssel zu mehr Präsenz und Mobilität" habe ich mich schon einmal mit der für mich vor allem deutschen Eigenart beschäftigt, Mobilitätshilfen abzuschließen.

Vor ein paar Tagen war ich abends auf dem Weg zu einem Berliner Bezirksamt, um als Beirätin an einer Fraktionssitzung teilzunehmen. Das Bezirksamt besteht aus vielen alten Backsteingebäuden und Treppen. Zur Überwindung der Treppen hat man an vielen Treppen Treppenlifte angebracht, die durch einen Schlüssel zu entsperren sind. Und den Schlüssel hat der Pförtner.

Also bitte ich wie immer am Pförtnerhäuschen darum, mich zu begleiten und mir den besagten Treppenlift zu entsperren. Doch diesmal ist eine Aushilfe da.

"Ich kann hier leider nicht weg."

"Ihre Kollegen konnten das."

"Ich kann hier nicht weg."

"Könnten Sie mir dann den Schlüssel bitte mitgeben, damit ich den Lift selbst bedienen kann? Ich bringe ihn auf dem Rückweg wieder mit."

"Ich weiß gar nicht, wo der Schlüssel ist. Ich bin nur die Aushilfe. - Aber wenn Sie mit dem Fahrstuhl in Haus 5 fahren, gibt es einen Übergang zu Haus 7. Müsste es."

Also ging ich ins Haus 5. Suchte und fand den Fahrstuhl und landete im ersten Stock - kein Übergang. Im zweiten Stock fand ich dann den Übergang zu Haus 7. Im Haus 7 angekommen, endete mein Weg an einer - Sie ahnen es - Treppe, denn mein Ziel war die erste Etage.

Also twitterte ich - im dunklen Bezirksamt - meinen Kollegen meinen Standort und bat sie, mich abzuholen, über die Treppe. Das taten sie dann auch und wir hatten eine produktive Sitzung. Vielen Dank nochmal!

Der Gedanke, den ich heute mitgeben will, ist folgender: Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in öffentlichen Einrichtungen ausreichend geschult, um barrierefreie Wege zu kennen und entsprechende Hilfsmittel zu bedienen?

Meinen Abend krönte dann eine Straßenbahnfahrt, bei der meine Begleitperson an das andere Ende der Bahn verwiesen wurde, weil sie ein Fahrrad bei sich hatte. Und die sollen eben am Ende der Bahn einsteigen, die Rollstuhlfahrer vorn. Vorschrift.

Dass ohne Blickkontakt der Sinn der Begleitung ad absurdum geführt wird - ist Nebensache.

Ein letztes Gedankenspiel für heute: Was geht bei Vorschriften vor? Sicherheit? Barrierefreiheit? Selbstbestimmte Mobilität? Denkmalschutz? Brandschutz?

Und wenn Sie noch Muße haben, hier ein anderes Erlebnis zu "Begleitpersonen" ;)


Sonntag, 18. November 2012

Vernetzt und aufeinander zu

Für diese Woche war unter anderem ein Termin bei der Agentur für Arbeit geplant - bei einer neuen Beraterin. Welchen Sinn der ständige Personalwechsel gerade im Bereich für Rehabilitanden haben soll, muss mir mal jemand erklären. Entsprechend motiviert erschien ich zum Termin.

"Das freut mich aber, Sie mal wieder zu sehen!", begrüßte mich die neue Beraterin.

"?! - Mich auch.- ?! - Wir kennen uns?"

"Ja. Ich kenne Sie doch!"

"?"

"Vor ein paar Monaten hatte ich bei einem Gespräch mit Frau R. hospitiert."

So langsam erinnerte ich mich, da war jemand zur Hospitation...

"Ich erinnere mich an Sie, weil Ihre Bewerbungsunterlagen 1a waren."

Wir unterhielten uns über meine Bewerbungssituation, meine Kontakte und am Ende fiel der Satz:

"Vernetzter als Sie kann man wirklich nicht sein. Ihre Unterlagen sind top, Ihre Qualifikationen sind beachtlich, die Motivation hoch - jetzt muss es einfach klappen! Ich weiß auch nicht, warum man Sie nicht einstellt."

Ich weiß es auch nicht.

Die Betriebe würden finanzielle Hilfen erhalten, könnten Umbauten kostengünstig realisieren, die Ausgleichsabgabe bliebe ihnen erspart und den oft befürchteten Kündigungsschutz ("Die werde ich ja nie wieder los!") kann ein Betrieb leicht umgehen, indem er einen befristeten Arbeitsvertrag anbietet.

Alles nur Vorteile - wieso klappt es dann so selten? Wieso kommt man nicht zueinander?

Je öfter ich darüber nachdenke - und ich hab schon oft darüber nachgedacht, liebe Leserinnen und Leser - komme ich zu dem Punkt, dass es (auch) um "unvernünftige", irrationale Dinge geht: Ängste, Unkenntnis, Befürchtungen, fehlende (positive) Erfahrungen.

Im ZDF-Beitrag

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1775356/Sinnlich%2C-sexy-und-behindert#/beitrag/video/1775356/Sinnlich,-sexy-und-behindert

geht es zwar um ein ganz anderes Thema ;), aber ein Satz ist mir im Gedächtnis geblieben: "Wenn man sich versteckt, wird das nichts mit der Inklusion!"

Also werde ich das weiterhin tun - auf Menschen und Arbeitgeber und Arbeitsplätze selbstbewusst zugehen.