Sonntag, 22. April 2012

Frühling

Samstag, 21. April 2012

Führerschein bis nach Kleinmachnow oder Huckepack in die Röhre?

Mein heutiges "Unnützes Wissen" über das gesundheitsfördernde Schnurren der Katzen hat mich an eine Unterhaltung mit meinen (leider) beiden ehemaligen Kollegen erinnert: Nach einem Beinbruch im letzten Jahr wieder im Büro (ich arbeite, wenn es nicht anders geht, auch mit geschientem Bein und Rollstuhl, ich weiß, selber schuld):

Kollege (K) "Hast du gewusst, warum sich Katzen nicht oft Knochenbrüche zuziehen?" 
"Keine Ahnung. Ist das so?" 
(K) "Weil sie schnurren." 
"Wie erklärt sich das denn?" 
(K) "Durch die Vibrationen, die dabei entstehen, werden die Knochen gestärkt." 
"Aha."
(K) "Das könnte dir auch helfen." 
"Wie meinst du das? Soll ich jetzt schnurren?!" 
(K) "Na, du hast doch zuhause bestimmt Geräte, die vibrieren?" 
"Du willst jetzt mit mir nicht über vibrierende äh... Haushaltsgeräte sprechen?!"
An der Stelle verließ meine Kollegin das Büro mit den Worten: "Ich geh dann mal lieber..."
(K) "Einen Mixer hast du doch?!"
"Und was sollte ich deiner Meinung nach mit dem Mixer tun?!"
(K) "Weiß ich auch nicht so genau. Vielleicht ans Bein halten?"
"Klar! Wenn mich der Arzt beim nächsten Mal fragt, ob ich das Bein ruhig gestellt und hoch gelagert habe, werde ich antworten: 'Das nicht, aber ich habe einen Mixer dran gehalten.' Der überweist mich doch glatt an einen anderen Facharzt!" 

Muss ich noch hinzufügen, dass wir drei als das Büro galten, in dem am meisten gelacht wurde?

In dieser Woche hatte ich ein ganz anderes Erlebnis mit unserem Gesundheitssystem: Ich hatte endlich einen MRT-Termin bekommen und bei der Anmeldung auch selbstverständlich nach dem rollstuhlgerechten Zugang gefragt. "Ja, das ist kein Problem." Schon bei der Ankunft sehe ich, dass die Türen zu den Umkleidekabinen alle zu schmal sind, damit ich da durch käme. Also frage ich noch mal: "Die Untersuchung funktioniert auch wirklich mit Rollstuhl?" Wohl wissend, dass das es sich um ein Magnetresonanztomogramm handelt und mein Rollstuhl aus Aluminium mit einem Titananteil besteht. 
"Na, Sie können doch die paar Schritte von der breiteren Tür bis zum MRT-Gerät bestimmt laufen?!"
"Nein, kann ich nicht." 
"Gar nicht?!" 
"Nein, gar nicht:" 
"Nicht mal ein Stückchen?" 
"Nein. Gar nicht:" 
Fragezeichen in den Gesichtern, Rückruf bei der diensthabenden Ärztin... 
"Wir können Sie auch huckepack nehmen." 
"Und was ist, wenn während der Untersuchung ein Patient einen Kreislaufkollaps erleidet und umkippt? Lassen Sie den liegen oder nehmen Sie den auch huckepack?"


Aktueller Stand: ich lasse das MRT in einer an eine Klinik angeschlossene Praxis machen, die auch über ein MRT-Gerät verfügt, dass eine mobile Liege hat, auf die ich mich vorher umsetzen kann. Oder ich hätte mich in einer Notaufnahme in einer Klinik anmelden können, die über ein eigenes MRT-Gerät mit mobiler Liege verfügt. Zusätzlicher Zeitaufwand für Fahrten und Absprachen: 4 Stunden.

Ob dieses Gesundheitssystem patientenorientiert ist und  barrierefrei, darüber können Sie sich, liebe Leser, selbst ein Urteil bilden.

Zu der "Sie können gar nicht laufen?"-Frage fällt mir nur ein, dass, wenn mir jemand erzählt, dass er keinen Führerschein hat, ich nicht zurückfragen würde: "Nicht mal bis Kleinmachnow?"...

Sonntag, 15. April 2012

Gib mir ein H! Gib mir ein R! Gib mir ein S!

Die Zeit der Reisen und Feste beginnt wieder und auch ich freue mich immer auf neue Eindrücke und Erlebnisse.

Über Ostern war ich im Spreewald unterwegs und diesmal brauchte ich mich nicht um die Buchung des Hotelzimmers kümmern, weil ich wusste, dass derjenige, der bucht, weiß, was ich benötige, wenn ich verreise. Die Buchung erfolgte online, wie ich hinterher erfuhr (die Überschrift ist ein Wink mit dem Zaunpfahl...). Dort - so konnte ich es später nachlesen - gibt es zwei Kategorien für barrierefreie Zimmer:



  • Rollstuhlgeeignete Zimmer nach DIN 18024 18025 und
  • Für Körperbehinderte und Rollstuhlfahrer leicht zugänglich
Und zwei Stufen am Eingang und eine Wendeltreppe zum Zimmer wären doch sicherlich kein Problem für mich?! Die Empfangsdame würde einen Gast im Rollstuhl kennen, der das schaffen würde.

Wir buchten um. Und hatten dann einen entspannten Urlaub. :-)

Sicher, jeder Mensch (mit oder ohne Handicap) hat andere Fähigkeiten und Bedürfnisse, was für den Einen ein unüberwindbares Hindernis ist, ist für den Anderen noch machbar. Aber was "leicht zugänglich" ist, kann doch nur jede/jeder für sich selbst entscheiden? 

Also ist mein Vorschlag an alle Hotelbesitzer: Schreiben Sie doch einfach, was ist: eine oder mehrere Stufen, die Türbreite ins Hotelzimmer und zur Toilette in Zentimeter und dann kann jeder Gast selbst eine Vorauswahl treffen: ist das Hotel für mich leicht zugänglich oder nicht? Und im Zweifel zurückrufen.

Und weil ich ja von Beruf Klugsch... bin, die DIN wurde im letzten Jahr umgewandelt in die 18040... ;)

Vor ein paar Tagen flatterte eine Einladung zu einer Hochzeit ins Haus:



Und zum Freundeskreis des Paares gehören 2 Menschen im Rollstuhl (einer davon bin ich). Das Paar hat ein rollstuhlgerechtes Hotel gebucht, Essen vorgekostet... So weit, so gut.

Heute habe ich mit dem Hotel telefoniert: es ist nur ein rollstuhlgerechtes Zimmer vorhanden (wie in den meisten Hotels). Und da nicht wir beiden Rollstuhlfahrer das Paar sind, haben wir jetzt ein Problem...

Fortsetzung folgt.


Montag, 9. April 2012

Frohe Ostern

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern frohe Ostertage!

Das Osterreiten, ein alter sorbischer Brauch, auf YouTube.

Und hier ist seine Geschichte.

Samstag, 7. April 2012

Wer sucht, der findet... Sie stehen gerade drauf!

Meine Ostergeschichte handelt - wie sollte es anders sein - vom Suchen und Finden. 


Nein, nicht von Osternestern, sondern von Fahrstühlen. Als Psychologiestudentin im Grundstudium habe ich auch Vorlesungen in einem alten Backsteingebäude der Charité besucht - Neuroanatomie. Und wie zu vielen anderen Vorlesungen und Seminaren auch habe ich mich hochtragen lassen. Barrierefreiheit 1990. Noch heute bin ich meinen Kommilitonen dankbar, denn ohne sie wäre meine Studienzeit nicht möglich gewesen. 

Wie ich schon sagte, das Fach hieß Neuroanatomie. Und der Dozentin war ich aufgefallen (na gut, 1990 als rollstuhlfahrende Studentin war das nicht so schwer...) Bei der zweiten Vorlesung kam sie auf mich zu und sagte: "Es gibt doch einen Fahrstuhl - Sie müssen nicht getragen werden, ich sage dem Hausmeister Bescheid, dass er Sie beim nächsten Mal am Eingang abholt und zum Fahrstuhl bringt." Ich wunderte mich, weil, ich hatte in dem alten Gebäude keinen Fahrstuhl entdeckt und ich würde doch keinen Fahrstuhl übersehen?! Bei der nächsten Vorlesung begrüßte mich - wie von der Dozentin angekündigt - der Hausmeister: "Sie müssen Frau Pohl sein?!" Ich war gespannt, welchen Fahrstuhl er mir zeigen würde. Die Vorlesung für Neuroanatomie fand im Institut für Anatomie statt und der Fahrstuhl, den mir der Hausmeister stolz präsentierte, war der Fahrstuhl in den Leichenkeller... Es roch nach Formaldehyd und mir war ziemlich übel, als ich im Hörsaal ankam. Die Dozentin war stolz auf ihre gute Tat und begrüßte mich - "Na, hat alles geklappt?!?" 

Muss ich noch erwähnen, dass ich die restlichen Vorlesungen doch lieber über den Treppenaufgang besucht habe, nachdem ich meinen Kommilitonen von meinem Erlebnis berichtet hatte? ;)

2012 gibt  es nun doch die eine oder andere barrierefreie Lösung, die bemerkenswert ist: das für mich bemerkenswerteste Beispiel in Berlin ist die Hubtreppe am Eingang des Bodemuseums, da erheben sich die Steinstufen aus dem Boden, nehmen  Stufe für Stufe mit, bis man sich auf  der Ebene des Eingangs befindet - barrierefrei und optisch ansprechend und technisch ein Highlight!


Was man sich im Bodemuseum ansehen kann? Schöne alte Griechen z.B. und manchmal auch eine Oper - Mozarts Titus ;) (und ich hab nur auf die Musik geachtet)

In Dresden im Zwinger gibt es ein ähnlich beeindruckendes architektonisches Beispiel für Barrierefreiheit: einen Lift, der aus der Erde nach oben fährt. Bei meinem Besuch sah ich zwar überall die Piktogramme für Rollstuhlfahrer, aber ich wunderte mich, weil ich den Fahrstuhl nicht entdecken konnte (was mir sonst eher selten passiert). Also rief ich an der Notrufsäule an und fragte, wo denn der Lift wäre und ich ich bekam die Antwort: "Sie stehen gerade drauf?!"


Was auch immer Sie über Ostern besuchen - ich wünsche frohe Feiertage!



Sonntag, 1. April 2012

Von Apanatschi bis Zeitumstellung

Es gibt in dieser Woche nicht so viel, über das ich schreiben darf und will.


  • Es gab eine neue Erfahrung (Mittelohrentzündung mit Rauschen im Ohr, ein Glück, keinen dauerhaften Tinnitus zu haben, wie ich diese Woche feststellen durfte), 
  • eine schöne Erfahrung (mein schon oft erwähnter monatlicher Friseurbesuch), 
  • ein Wiedersehen mit Bekannter mit traurigen Nachrichten, 
  • ein Wiedersehen mit einer mir Unbekannten, die aber darauf bestand, mich zu kennen ("Ich kenne Sie doch?!", ich schrieb schon darüber)
  • eine neue Bekanntschaft mit einem ungewöhnlichen Menschen und 
  • ein neuer Email-Kontakt, über den ich mich freue (Grüße nach Nürnberg!)
  • Karl May hatte seinen 100. Todestag (Grüße in meine sächsische Heimat nach Radebeul!)
  • ein Anruf aus dem Büro eines behindertenpolitischen Sprechers für eine Veranstaltung im Mai und
  • Diskussionen zu den Themen Pflege und Abschaffung des Kneeling bei der BVG (manchmal ist Berlin auch Absurdistan - siehe meine Wochenschau).
Und dann war da noch die Geschichte mit der Zeitumstellung: Am letzten Wochenende saß ich mit anderen zusammen in netter Runde und wir redeten auch über Sinn und Unsinn der Zeitumstellung. Und darüber, dass es ja auch mal ohne ging. Neben mir saß ein junger Mann, der mich ganz erstaunt ansah und fragte: "Echt, wann war das? Die gibt es doch, seit ich denken kann!" Ich antwortete: "Es war vor 1980." 

Ich bin alt. (Ich konnte vor 1980 schon denken.) ;)

P.S. Es gab die Umstellung auf Sommerzeit übrigens auch schon davor, z.B. in den Zeiten der beiden Weltkriege und es ist ein interessantes Gedankenspiel, was gewesen wäre, wenn der Westen sie schon 1978 eingeführt hätte, wie es ursprünglich beschlossen war.