Sonntag, 26. Februar 2012

Fußball, Freiheit und Klassenleben

Letztes Wochenende habe ich mit meiner 5-jährigen Nichte und ihren 2 Brüdern verbracht. Nach ausgiebigem Uno sagte sie "Komm, Uli, wir spielen jetzt Fußball auf'm Flur!"

Gesagt, getan: Ich war das Tor, weil die Fußraste gerade hoch genug angebaut ist, damit ein Ball oder ein kleines Mädchen da durchhechten kann... ihre zwei Brüder, denen sie zum Teil nur bis zur Hüfte reicht, waren der Sturm und die Abwehr der gegnerischen Mannschaft (in Pantoffeln), ich hatte noch die Zusatzfunktion des Kommentators und wenn der Ball in die Küche rollte, war das "Abseits".

Für sie war das normal: alle wurden einbezogen und hatten eine Aufgabe und waren gleichermaßen wichtig.

Wenn wir Erwachsenen dasselbe machen, ist es ein Politikum und wir nennen es Inklusion.

Darüber hatte ich schon mal in meinem Post "Ein Anfang" geschrieben.


Eigentlich wollte ich nun heute eine politische Veranstaltung besuchen -
  • die Website des Veranstaltungsortes ergab keinen Hinweis bezüglich der Barrierefreiheit,
  • Google Streetview ergab, dass dort keine Parkplätze vorhanden sind.
  • Infos über Toiletten,
  • stufenlosen Zugang
- Fehlanzeige.

Also noch ein Blick auf die Website des Veranstalters: Informationen über Catering und Kinderbetreuung, aber keine über
  • rollstuhlgerechte Toiletten, 
  • den nächstgelegenen barrierefreien Bahnhof, 
  • Schrift- oder Gebärdendolmetscher oder 
  • Informationen in Leichter Sprache bzw. 
  • in Brailleschrift. 
Denn Barrierefreiheit ist mehr als der berühmte Fahrstuhl.

Fazit: ich bin nicht hingefahren, manchmal habe ich eben keine Lust, mir auch noch das Wochenende mit solchen Recherchen zu verderben.

Morgen findet eine Veranstaltung in der Kalkscheune u.a. zu Patientenrechten statt. Mein Arbeitgeber hat mich beauftragt, diese Veranstaltung zu besuchen. Der Veranstalter informierte im Voraus, dass der Fahrstuhl nicht verfügbar sei. Also werde ich mich morgen hochtragen lassen, um meiner Arbeit nachzugehen und um ein Zeichen zu setzen. Eine Veranstaltung zu Patientenrechten ohne Fahrstuhl - da kann ich nur den Kopf schütteln!

Beide Veranstaltungen - die von heute und die von morgen - sind Veranstaltungen von Parteien, die beide im Berliner Abgeordnetenhaus vertreten sind und für sich in Anspruch nehmen, neu und anders als die etablierten Parteien zu sein. Wahrscheinlich trifft das doch nicht auf alle Gebiete zu...

In der Schattenübersetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist Barrierefreiheit in Artikel 9 (gemeinsame Bildung ist erst in Artikel 24 benannt) folgendermaßen definiert:

"Um Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen mit dem Ziel, für Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen Zugang zur physischen Umwelt, zu Transportmitteln, Information und Kommunikation, einschließlich Informations- und Kommunikationstechnologien und -systemen, sowie zu anderen Einrichtungen und Diensten, die der Öffentlichkeit in städtischen und ländlichen Gebieten offenstehen oder für sie bereitgestellt werden, zu gewährleisten. Diese Maßnahmen, welche die Feststellung und Beseitigung von Zugangshindernissen und -barrieren einschließen, gelten unter anderem für
a) Gebäude, Straßen, Transportmittel sowie andere Einrichtungen in Gebäuden und im Freien, einschließlich Schulen, Wohnhäusern, medizinischer Einrichtungen und Arbeitsstätten;
b) Informations-, Kommunikations- und andere Dienste, einschließlich elektronischer Dienste und Notdienste."
Es geht dabei um ein selbstbestimmtes Leben, um unabhängige Lebensführung, um Gleichberechtigung. Und es liegt eben keine Gleichberechtigung oder gar Gewährleistung vor, wenn ich vorher umständliche Recherchen anstellen muss, um dann doch nicht alle für mich notwendigen Informationen zu bekommen. (Hier zum Weiterlesen, wenn Sie mögen.)

Vor der Aufforderung der Vertragsstaaten zur Barrierefreiheit haben die Vereinten Nationen übrigens einen anderen Auftrag gesetzt: Art. 8 Bewusstseinsbildung. -

Haben Sie schon mal den Film Klassenleben gesehen? Ein Film über eine inklusive, bunte Schulklasse mit unterschiedlichsten Schülern an einer Berliner Schule.



Es scheint, als ob diese Kinder und meine Nichte mehr Bewusstsein von Inklusion und Barriere-Freiheit haben als manche Erwachsene.

Dienstag, 14. Februar 2012

Nachtrag zu "Galileo im Rathaus"

Jetzt bin ich in zwei Beiräten. Und in einem 3. berate ich fachlich.

Das mit der Zurückhaltung muss ich noch üben.


Das ist das japanische Zeichen für Energie (sagt das Internet) - möge sie mir nicht verloren gehen und Ihnen auch nicht!

Happy Valentine!

Sonntag, 12. Februar 2012

Galileo im Rathaus - Galilei at the Town Hall

Ich weiß auch nicht, warum ich jetzt schon wach bin, das Wochenende geht schnell vorbei. Vielleicht bin ich wach, weil ich ein bisschen aufgeregt bin.

Gestern habe ich eine Bewerbung für die Mitgliedschaft in einem Beirat für Menschen mit Behinderung in einem Berliner Bezirksamt geschrieben. Angenommen - und heute findet die Wahl statt. Rathaus, ich komme!

Vorher hatte ich noch mit einem Kandidaten für den Ausländerbeirat (ich glaube, der heißt wirklich noch so) gesprochen, der mich vorgeschlagen hatte. Denn, was in allen Diskriminierungsformen gleich ist, ist die Einschränkung der Teilhabe. Ich würde mich freuen, wenn ich diese neue Sichtweise auf Behinderung und Diskrminierung durch meine Mitarbeit im Beirat voranbringen kann.

Vorher bin ich noch zum Brunchen am Potsdamer Platz verabredet, vielleicht kann ich noch ein bisschen Berlinale-Luft schnuppern.

Und ich freue mich auf ein Päckchen, dass ich mir vom Geburtstagsgeld (erstmals als Ersatz für ein eigenes Geschenk) geleistet habe und nun schicken lassen werde: mein erstes Netbook!

Wann ich Geburtstag habe? Zusammen mit dem, der dafür gesorgt hat, dass ein ganzes Weltbild auf den Kopf gestellt wird: Galileo Galilei. Nur eben 407 Jahre später.



Guten frühen Sonntagmorgen, Welt!



Samstag, 11. Februar 2012

Inklusion ist ganz einfach?


Ein Film in Leichter Sprache 
von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft


und hier noch einer von der Aktion Mensch









Freitag, 10. Februar 2012

Reden Sie mit uns! Bauen, Boxen, Barkplatz, Berlinale, Bibbern

So langsam komme ich wieder in meinen Rhythmus aus Erwerbstätigkeit, Freunde, Familie, Fitnessstudio, Physiotherapie, Ehrenamt, Film und Kunst.

Im Fitnessstudio ist eine rollstuhlgerechte Toilette fertig gestellt worden (hurra!) - mit Seifenspender, Handtuchspender und Spiegel in Fußgängerhöhe.


Schade, das wäre nicht passiert, wenn man während der Bauplanung miteinander gesprochen hätte. Ich hatte das auch angeboten. Mal schauen, ob in der kommenden Woche ein (ganz normal in der Drogerie gekaufter) Seifenspender in meiner Höhe auf dem Waschbeckenrand steht. Das wäre auch viel billiger gewesen.

Das Training mit Kettlebells, 20-kg-Hantelstange und Boxtraining war ansonsten wieder toll, auch wenn ich jetzt noch - 25 Stunden später - durch einen Muskelkater daran erinnert werde.

Nach einer einstündigen, eisigen Abschleppaktion, die gestern meinen Abend "krönte" (siehe Post "Die Abschlepperin") habe ich mich heute mit einem Friseurbesuch belohnt und der ist ja bekanntlich wie Schokolade (darüber schrieb ich schon), jetzt geht es zu einem piratigen Treffen und ich werde wahrscheinlich doch eine Mütze aufsetzen, obwohl meine neue Strubbelfrisur eigentlich gezeigt werden sollte.^^

Liebe Blogleser, es gäbe noch einiges zu berichten über diese Woche: ein Vernetzungstreffen im Abgeordnetenhaus, ein Treffen in der Lebenshilfe, die Bürgerdeputiertenwahl in der BVV Mitte, eine Studie aus Bielefeld, das Pfeiffersche Drüsenfieber und die Berlinale, aber jetzt will ich erst mal los - mit Mütze, das Thermometer zeigt -9°C...



P.S. Barkplatz ist einfach nur sächsisch, n'war?